Ritt auf der Kanonenkugel

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Sommertörn. Es geht los. Alles ist eingekauft und verstaut. Wir wollen den kräftigen Südwestwind nutzen und uns quer über die Ostsee 45 Seemeilen nach Gedser blasen lassen. Am Sonntag wird es deshalb nichts mit ausschlafen. Um Viertel nach Zehn verlassen wir den Hafen. Unsere Vorwindgeheimwaffe, der Parasailor, liegt auf dem Vorschiff bereit. Die Sonne lacht und trotz pfeifendem Wind reicht heute das T-Shirt. Fast wie in der Karibik. Mit 20 Knoten ist der Wind recht stark. Wir rollen zunächst die Genua aus und machen bereits mehr als 6 Knoten Fahrt.

Vorbei geht es an Timmendorf und Rerik. Je weiter wir raus kommen, desto mehr nimmt die Welle schräg von hinten zu und erreicht schließlich bis zwei Meter Höhe. Wir werden ordentlich durchgeschaukelt. Der wahre Wind schwankt zwischen 15 und 25 Knoten. Teilweise werden wir mit 4 Knoten zu langsam und es schaukelt noch mehr. Wir bringen doch noch den Mut auf, unseren Parasailor zu setzen. Unter Motor gehen wir mit Autopilot direkt vor die Wellen und mit Jeannette versuche ich auf dem Vorschiff die Geheimwaffe aus dem Sack zu lassen. Murphy’s Gesetz schlägt zu und die Leine vom Bergeschlauch ist verdreht. Also das halboffene Segel wieder runter und das Schothorn nochmal lösen, um die Leine einmal um das Segel herum zu bekommen. Zum Glück gelingt es und schließlich steht der Flügel am Himmel. Gleich wird die Fahrt ruhiger und schneller.

Natürlich frischt der Wind nochmal auf 25 Knoten auf und wir jagen mit mehr als 7, teils mehr als 8 Knoten die Wellen runter. Sehe kurz die 9 vor dem Komma. Ganz schön Druck drauf. Der Autopilot verliert die Kontrolle. Ich muss ihn ablösen und steuere die restlichen Stunden bis Gedser von Hand.

Die Sonne scheint weiter und die Bedingungen werden etwas moderater. Mit 6 Knoten queren wir die Kadettrinne, ohne dass uns ein Berufsschiff in die Quere kommt. Nur die Gedserfähre kommt natürlich just angerauscht, als wir die Fahrrinne erreichen und den Parasailor bergen müssen. Selbstverständlich frischt der Wind wieder auf 6 Windstärken auf. Zu zweit bekommen wir unser Biest gebändigt und runtergezogen. Dann schaukeln wir unter Motor zwischen Windwelle und Fährwelle in Richtung Hafen. Nach 7 Stunden und 45 Minuten haben wir die Hafeneinfahrt erreicht. Der typische Seitenwind fordert uns nochmal beim Anlegen. Treiben recht weit in die Boxengasse, schaffen es aber eine freie Box zu erreichen. Das Anlegebier ist heute mehr als verdient. Morgen können wir ausschlafen. Da wollen unsere Freunde mit der Yuendumu von Rostock aus zu uns rüber kommen.

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