Da ist er wieder der Reservierungsbalken im Familienplaner. Das Herrentagswochenende steht an und damit der obligatorische Törn. Dieses Jahr ein Jubiläum, denn es ist bereits das 10 Jahr, wo ich mit Freunden für ein Männerwochenende die Leinen loswerfe. Am Mittwochabend vor dem Herrentag treffen wir uns mit reichlich Fest- und Flüssignahrung an Bord und feiern unser Wiedersehen. Mit dabei sind wie im vergangenen Jahr Christian und Martin. Wir verladen die Surfsachen und schmieden Pläne für die Überfahrt nach Fehmarn, wo wieder das Windsurf-Festival stattfindet. Die Wetterprognose ist ganz gut mit viel Sonne. Für die Hinfahrt deutet sich Flaute an aber auf dem Rückweg wird uns frischer Nordostwind zurückblasen. Darauf stoßen wir an.




Nach dem Frühstück bereiten wir uns zum Auslaufen vor. Zuerst einmal führt uns der Weg allerdings an die Tankstelle, da ja reichlich Seemeilen unter Motor anstehen. An der Tankstelle müssen wir beim Anlegen kreativ werden, denn der Schlauch von der Zapfsäule ist zu kurz. Mit vergoldetem Diesel für 2,64 Euro pro Liter verlassen wir um 11 Uhr den Hafen. Die See ist spiegelglatt und der Autopilot steuert uns zuverlässig unserem Ziel entgegen. Sichten sogar einige Schweinswale. Das Wasser ist ölig glatt, so dass wir gemütlich Kaffee und Kuchen aufdecken können. Der Fahrtwind ist unangenehm kühl aber unter der Sprayhood ist es schön warm.






Als wir den Fehmarnbelt erreichen, kräuselt sich das Wasser wieder und Gegenwind kommt auf. Es sind aber nur 4 Seemeilen bis zur Einfahrt nach Burgtiefe. Da lohnt es sich nicht mehr die Segel auszupacken und aufzukreuzen. Wir finden einen schönen Liegeplatz außen am Rundsteg und gönnen uns ein Anlegebierchen in der Sonne. Wir genießen den anbrechenden, lauschigen Abend und bauen erstmal unseren Grill auf. Frische Luft macht hungrig. Leckere Burger sind eine gute Grundlage für die Surferparty auf dem Festivalgelände.








Gut gestärkt stürzen wir uns in das bunte Treiben und feiern zu den Mashup-Beats von DJ Chairgo. Gegen 23 Uhr greift dann der Lärmschutz und die Open Air Party muss ihr Ende finden. Im Haus des Gastes gibt´s dafür dieses Jahr wieder eine Indoor-Party. Der Andrang ist gewaltig. Eine Menschentraube spielt uns schließlich an den Securities vorbei in die Partyhöhle. Dort ist es so voll, dass die Hälfte der Getränke in der Hand eher auf dem T-Shirt landen. Die Stimmung kocht natürlich trotzdem. Wir verholen uns aber schon bald wieder nach Draußen an die Luft.


Auf dem Rückweg kommen wir an der Surfschule und Bar der bereits achzigjährigen, legendären Charchulla-Zwillinge vorbei und schauen mal rein. Dort wird gerade Livemusik gemacht mit Gitarre und wir setzen uns auf ein Bierchen dazu. Mich juckt es in den Fingern und so greife auch ich mir mal das Instrument und gebe ein paar Songs zum Besten. So vergeht die Zeit und es wird halb Vier, bevor wir in der Koje liegen. Nicht ohne einen Stopp am neuen Pizza-Automaten auf dem Weg. Für 10 Euro spuckt die Höllenmaschine 10 Minuten später eine Pizza Tonno im Pizzakarton aus. Genau das Richtige vor dem Einschlafen.



Wir frühstücken etwas später am Freitag. Die Nacht steckt uns noch etwas in den Knochen. Gegen Mittag nehmen wir den Bus in die Stadt nach Burg. Wollen ein bisschen Schlendern und in den Surfshops stöbern. Nach ein paar Käufen genießen wir auf einem sonnigen Platz kühlen Gerstensaft. Keiner treibt uns, einfach nur sitzen und genießen. In der Stadt herrscht reges Treiben. Davon lassen wir uns nicht anstecken. In einem Spirituosen-Laden kaufen wir uns „Heul nicht Rum“, der nach Mango und Banane schmecken soll. Das testen wir später.







Zurück an Bord steht wieder Grillen auf dem Programm. Diesmal gönnen wir uns Lachs und Garnelen sowie Salat. Draußen pfeift der Nordostwind schon etwas aber unter der Kuchenbude können wir gemütlich und warm sitzen. Gut gestärkt treten wir dann wieder den Weg zum Festival an. Dort gibt es heute House-Beats auf die Ohren von Surfer-Djane Lina Erpenstein. Nicht so ganz unser Ding. Fast keine Vocal-Parts. In den Indoor-Tempel wollen wir uns auch nicht quetschen. Wir bleiben bei einer Privatparty mit DJ hängen. Es sind die Leute, die am Tag zuvor im Charchulla Musik gemacht hatten. Zwischen zwei Surferbussen steht ein Zelt mit Lichteffekten, Nebelmaschine und professionellem DJ-Pult. Der Mix ist richtig gut und so feiern wir hier ein bisschen mit.







Eigentlich gibt es an jedem zweiten Surferbus eine Privatparty – meist mit DJ. Überall gibt es kreative Deko zu sehen oder eine andere Musikrichtung zu hören. Da uns noch etwas Schlafmangel in den Knochen steckt, halten wir nicht ganz so lange durch. Schauen noch auf ein Abschlussbierchen im Charchulla vorbei. Dort ist das Publikum heute älter aber die Stimmung trotzdem auf dem Höhepunkt. Die Stange auf dem Tisch erinnert ein wenig an die Reeperbahn und wird spontan von einem Mädel getestet. Bei uns ruft die Koje und diesmal teilen wir uns eine Pizza aus dem Automaten. Kurz vor Zwei steigen wir an Bord und haben Bettschwere erreicht.




Der Samstag empfängt uns grau und kalt. Es weht ganz ordentlich und der Nordost verhindert Sommergefühle. Dennoch zwinge ich mich in kurze Hose und Flipflops. Nach dem Frühstück laufen wir mal rüber zum Südstrand und schauen, was surftechnisch so geht. Der Kiter, den wir am Vortag noch im Bus getroffen hatten, versucht schon sein Glück bei böigen und leicht ablandigen Bedingungen. Uns fehlt heute die Motivation, unser Zeug zu holen und aufzubauen. Die Partynächte stecken uns in den Knochen und es ist lausig kalt. Daher setzen wir uns lieber in den Windschatten eines Strandkorbs und beobachten. Der Wind nimmt zu und auch die Kiter am Strand. Weiter draußen kriegt einer seinen abgestürzten Schirm nicht mehr hoch und treibt schnell Richtung Fehmarnbelt weg. Weitere Kiter können nicht helfen und schließlich müssen die Rettungsschwimmer mit dem Boot raus.




Wir schauen uns dafür noch am Strand die Stände der Ausrüster an. Kitezeug gibt es zwar nicht aber man merkt, dass Foilen jetzt der neue Trend ist. Überall Foilboards, Wingfoils, Wakefoiler oder Skatefoiler. Beim Schnack mit einem Verkäufer wird schnell klar, dass allein für einen Foil gut und gern fast 2000 Euro zusammen kommen können und da ist kein Board dabei.








Wir laufen lieber zurück aufs Schiff und wärmen uns auf. Auch am letzten Tag hier schmeißen wir nochmal den Grill an, während es draußen bläst. Pappsatt raffen wir uns ein letztes Mal für den Partyabend auf. Die Motivation bröckelt schon etwas. Morgen segeln wir schließlich bei kräftigem Halbwind und Welle von der Seite zurück. Da sollte der Abend besser magenfreundlich verlaufen und etwas mehr Schlaf täte auch gut. Der DJ Steve Clash macht einen guten Mashup-Mix aber die Menge kocht nicht so schnell wie am ersten Abend. Wir laufen noch ein bisschen über das Gelände und schauen uns die Partyüberreste zwischen Bussen und Zelten an. Das wird fröhliches Aufräumen und alles ist von Staub bedeckt. Das Charchulla lockt mit einer Liveband aber bei uns ist die Luft raus. Lassen den Abend an Bord ausklingen und sind schon halb Elf in der Koje.






Am Sonntag schälen wir uns dann ausgeruht schön früher aus der Koje, so dass wir bereits kurz nach halb Zehn den Hafen verlassen. Im Binnensee setzen wir schon mal das Großsegel im zweiten Reff und um 10 Uhr passieren wir die Ausfahrt in den Fehmarnsund.




Wir rollen die Genua aus und können auf direktem Halbwindkurs auf Boltenhagen zurauschen mit bis zu 8,1 Knoten. Ein bis zwei Meter Seegang von der Seite schaukeln uns dabei ordentlich durch. Gut, dass wir gestern Abend ruhiger unterwegs waren. Das Ziel kommt schneller näher als gedacht. Bereits 14:20laufen wir in der Weissen Wiek ein. Im Durchschnitt waren wir 6,8 Knoten schnell. Das kann sich sehen lassen. Wir stoßen auf den erfolgreichen Törn an und dann heißt es noch Deckschrubben und Staubsaugen. Eins steht fest – nächstes Jahr zum Herrentagswochenende sind wir wieder am Start.




