Champagnersegeln mit Winterjacke

Es ist soweit. Der Krantermin und die Überführung stehen an. Donnerstagabend reise ich mit der Bahn an und verbringe die erste Nacht des Jahres an Bord. Zunächst hoch und trocken auf dem Lagerbock. Morgen früh um Sieben soll es in die Krangurte gehen. Schnell noch die Anode angebracht an der Motorwelle und dann geht es in die Koje bei Temperaturen bis runter auf 1 Grad, an Bord wärmt der Heizlüfter.

Am Freitag schwebt die Puffin dann kurz nach halb Acht in den Krangurten und für einen arbeitsreichen Tag verlege ich mich an den Steg. Abends sind mehr als 22.000 Schritte gesammelt und alle Segel und Leinen angeschlagen. Auch das Winterlagerchaos ist aufgeräumt, der Wassertank gefüllt und die Druckwasseranlage in Betrieb genommen. Naja, zunächst lief die Pumpe ohne Unterlass und ich brauchte eine Weile für die Fehlersuche. Hatte im Wassertank beim Austrocknen ein Stück Küchenrolle vergessen, dass nun angesaugt wurde. Als mein Mitsegler Martin kurz vor Sechs ankommt, läuft alles und wir können uns ein Kaltgetränk genehmigen und was essen.

Am Samstag lacht die Sonne und wir legen Punkt 9 Uhr ab. Bei auflandigem Wind im engen Becken gleich die erste Bewährungsprobe. Wir motoren mit einem Kaffee in der Hand die Warnow runter und passieren unzählige Heringsangelboote. Auch die Kreuzfahrtsaison hat begonnen. Die Aida Diva liegt wie ein Hochhaus an Backbord. Dann setzen wir die Segel und pflügen durch die Wellen vor Warnemünde. Zunächst können wir mit Halbwind und 6-7 Knoten Kurs auf Kühlungsborn nehmen und frühstücken im Cockpit am Tisch. Etwas grenzwertig bei Welle von der Seite.

Leider dreht der Wind zusehends und selbst hoch am Wind zeigt die Kurslinie allerhöchstens nach Kühlungsborn. Um das Kap schaffen wir es nicht. Außerdem schwächelt der Wind und deshalb motoren wir etwas Höhe bis wir am Kap vorbei sind. Der Wind kommt zurück und wie auf Schienen steuert uns der Autopilot auf Anliegerkurs die Küste runter. Champagnersegeln mit bestem Sonnenschein und 5-6 Knoten Fahrt. Die Küste zieht langsam vorbei. Die Segel verdecken jedoch bald die Sonne und sofort wird es kühler im Cockpit. Wir suchen uns die letzten Sonnenplätze.

Dann ist kurz vor Poel auf einmal der Wind weg. Wir dümpeln und die Segel schlagen. Starte ein paar Angelversuche, die ohne Erfolg bleiben. Kurze Zeit später ist das Meer ölig glatt. Hinter unserem Heck taucht ein Schweinswal auf. Zieht leider schnell weiter. Dafür sehen wir Robben auf der Sandbank liegen. Um Viertel nach Fünf erreichen wir den Hafen und stoßen auf gelungene 39 Seemeilen an. Nicht mit Champagner. Dafür mit Cuba Libre, Sonne im Gesicht und heißem Eintopf auf dem Teller. Jetzt darf es gern schnell Sommer werden.

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