Wintertörn mit Passat und Palmen

Da war sie – die Gelegenheit. Der Winter hier kalt und nass und auf der anderen Seite des Atlantiks in den Tropen hatten unsere Freunde gerade den Atlantik auf eigenem Kiel überquert und nahmen Kurs auf die Insel Grenada. Noch im Sommer 2021 hatten wir Christoph, Manuela, Theo und Alfred bei uns in der Weisen Wiek verabschiedet zum großen Törn mit ihrer Segelyacht Nala. Jetzt wollten auch wir über den großen Teich. Allerdings etwas flotter mit dem Flieger. Denn wir hatten uns verabredet für ein Wiedersehen unter Segeln und Palmen. Die Direktflüge ab Frankfurt waren gebucht, alle blieben bis zum Abflug gesund und am 5. Februar verblasste das graue Winterwetter im Kondensstreifen unserer Boing 767.

05.02.2023 // Prickly Bay, Grenada

Neuneinhalb Stunden später setzten wir auf in einer tropisch warmen Welt. Durch die fünf Stunden Zeitverschiebung war es erst 15:30 Uhr und so blieb noch etwas Tageslicht zum Aufsaugen der ersten Eindrücke. Mit dem Taxi erreichten wir die Prickly Bay, wo uns schon die Nala Crew und deren Buddy Boat Crew von der Emma erwarteten. Die Bucht voller Masten und der erste Sonnenuntergang mit Palmen und einem kühlen Caribe Bierchen in der Hand. Wir füllten die Reiseakkus in einer Bar mit Wraps und Pizza auf. Im Dunkeln erreichten wir weit draußen in der Bucht die Nala, die von einer einlaufenden Dünung ganz schön durchgeschüttelt wurde. Da war noch etwas Gewöhnung erforderlich. Nachdem die Taschen einen Platz gefunden hatten, testeten auch wir unsere Schlafplätze. Lilli und Luna hatten mit dem Einschlafen keine Probleme. Wir lagen mehr oder weniger wach und versuchten eine Position zu finden, wo jede zehnte Welle nicht unsere Körper rollen und das Einschlafen unmöglich werden ließ.

06.02.2023 // Prickly Bay, Grenada

Da freut man sich, wenn es um 6 Uhr wieder hell wird. Aber was solls. Wir sind in der Karibik auf einer Segelyacht und jedes Paradies hat seinen Preis. Ein Sprung ins 30 Grad warme Wasser entschädigt für Vieles. Nachdem ein Frühstück unsere Lebensgeister reaktiviert hat, geht es gemeinsam mit der Emma-Crew an Land. Wir wollen einen Großeinkauf für unseren Törn machen. Zunächst bleiben wir in der chilligen Bar am Dinghy-Dock hängen auf ein Kaltgetränk – bei mir der erste Rumpunsch. Mit einem der rostigen Minibusse der Linie 1 fahren wir für 80 Cent pro Person zum Grande Anse Beach. Laute Reggae-Musik und mindestens 14 Sitzplätze in einem kleinen Fernost-Büsschen sind im Preis inbegriffen.

Am Strand erfüllen wir uns das nächste Karibik-Klischee mit einer frischen Kokosnuss zum Austrinken. Lecker und gut sättigend. Dann aber heißt es einkaufen für 14 Tage und 10 Personen. Mit mehreren prall gefüllten Einkaufswagen und meterlangem Kassenzettel verlassen wir schließlich die Spiceland Mall wieder. Zum Glück finden wir ein Taxi-Büsschen, wo wir alles reinkriegen und auch wir mit etwas Kreativität Platz finden. Zurück am Dinghy-Dock musste dann alles noch zu den Schiffen transportiert und verstaut werden. Eine logistische Meisterleistung mit Schweißgarantie. Zur Belohnung stärken wir uns in der One Love Bar und nehmen noch ein Büsschen zum Strand, um den Schweiß abzuspülen. Abends an Bord begegnen wir dem Schaukeln mit selbst gemixten Painkillern.

07.02.2023 // Prickly Bay, Grenada

Etwas verkatert und übernächtigt starten wir in den nächsten Tag. Der startet eher grau, der Passatwind bläst ohnehin durchgängig mit 5-6 warmen Windstärken und hin und wieder entleert sich eine der dunklen Wolken wasserfallartig. Es ist der 7. Februar und damit der 49. Unabhängigkeitstag, der hier mit festlicher Parade und allerlei Drumherum gefeiert wird. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Zum Glück bessert sich das Wetter und wir können uns um halb Elf auf den Weg zum Stadion machen – natürlich nehmen wir ein Mini-Büsschen. Der Fahrer meinte voller Nationalstolz „stay here five years and you look 10 years younger“. Die Einheimischen sind festlich in Nationalfarben gekleidet und über alle sieht man Schmuck und Nationalflaggen. Im Stadion sehen wir noch den Präsidenten und schauen ein wenig dem Festprogramm zu. Außerdem probieren wir natürlich das Nationalgericht Oil Down, welches überall angeboten wird. Es besteht aus Brotfrucht und Yams-Wurzel, wahlweise auch noch Chicken oder Fisch. Schmeckt nicht schlecht und sättigt ordentlich.

Den Rest des Tages wollen wir noch für einen Ausflug zu einem der Wasserfälle nutzen. Allerdings fahren am Feiertag nicht alle Buslinien und nach einigen Telefonaten, Zusagen, Absagen und vierzigminütiger Wartezeit in der prallen Sonne nehmen wir unser Schicksal selbst in die Hand. Wir quatschen den nächstbesten Busfahrer an, ob er seine Pendelfahrt zwischen Stadion und City unterbricht für unsere Wasserfallmission. Fünfzig US-Dollar können überzeugen und mit seinem kleinen Sohn chauffiert uns das rote, rostige Büsschen sicher zum Arondale Wasserfall.

Der Wasserfall ist touristisch gut erschlossen (Eintrittspreise) und zahlreiche Verkäufer preisen diverse Mitbringsel an. Ich entscheide mich für Muskatnüsse und ab geht es zum rauschenden Wasser. Auch wenn der Fluss eine erdige Färbung hat, lassen wir uns das Bad unterm Wasservorhang nicht nehmen. Schön erfrischend und eingebettet in tropische Vegetation kommt Dschungel-Feeling auf. Zumindest bis die Busse mit den Kreuzfahrt-Touristen ankommen und jeder sein Selfie abarbeiten will. Da rufen wir lieber unser rotes Büsschen an und zirkeln uns aus der Affäre.

Wir lassen uns nochmal am Grand Anse Beach absetzen, denn dort ist noch Reggae Party. Die Einheimischen machen als Volkssport Wetttrinken mit Caribe Bier. Wir genießen unser Bierchen lieber in unterbrochenen Schlückchen. Hier und da riecht es nach Gras und der erste Fähnchenverkäufer träumt seelig zwischen seinen Fähnchen. Auf dem Wasser heizen Jugenliche mit Schnellbooten umeinander und versuchen Eindruck zu schinden bei den Bikinischönheiten. Wir kehren lieber wieder an Bord zurück und machen uns Hot Dogs. Das Boot rollt immer noch kräftig und so freuen wir uns darauf, die Bucht morgen zu verlassen.

08.02.2023 // Prickly Bay, Grenada >> Ronde Island

Nach einer abermals unruhigen Nacht bereiten wir nach dem Frühstück die Nala zum Auslaufen vor. Christoph holt mit dem Beiboot von der Budget-Marina noch unsere Getränke-Bestellung ab. Jede Menge Cola und die kleinen, niedlichen Bierdöschen sind auch mit dabei. Kurz nach 10 Uhr gehen wir ankerauf. Mit Großsegel im zweiten Reff und zwei Drittel der Genua segeln wir zunächst vor dem Passatwind um die Inselecke. Die Schiffsbewegungen sind recht angenehm. Auf der Westseite von Grenada müssen wir jedoch hart an den Wind gehen. Ein paar Meilen machen wir noch gut, dann fällt der Windschatten über uns her. Von eben noch 20 Knoten Wind bleiben nur 6 Knoten übrig – und natürlich auch Wellen. Nach Windschwankungen mit Ein- und Ausreffen muss schließlich erstmal der Motor mithelfen. Davon lassen wir uns die Karibikstimmung nicht verhageln. Zu lauter Reggae-Musik gehen die Mundwinkel hoch und der Blick erfreut sich an den vorbeiziehenden, sattgrünen Berghängen von Grenada. Ich bringe die Angel aus und hoffe auf frischen Thunfisch oder Mahi Mahi.

Als wir aus dem Windschatten kommen, nehmen Wind und Welle unangenehm zu. Wir müssen hart gegenankreuzen, um unser Ziel Carriacou erreichen zu können. Ich steuere die anrollenden Atlantikwellenberge per Hand aus. Der Tag neigt sich dem Ende zu und bei Tageslicht schaffen wir es nicht mehr bis ins Ziel. Die Luft ist auch raus bei der Crew und wir entscheiden, die unbewohnte Insel Ronde Island anzulaufen für die Nacht. Auf Anliegerkurs gelingt das gut und noch vor der Dämmerung springe ich am Ankerplatz ins klare Wasser und tauche ein riesiges Schneckenhaus hoch. Beim Schnorcheln sehe ich sogar meine erste Schildkröte, die schnell das Weite sucht. Als auch die Emma den Ankerplatz erreicht, essen wir alle gemeinsam Nudeln, die Jeannette in der Zwischenzeit gekocht hat. Die Bucht ist sehr offen für Schwell und so wird auch diese Nacht sehr rollig – liege gefühlt bis 5 Uhr morgens wach, bevor ich doch noch kurz einschlafe.

09.02.2023 // Ronde Island >> Tyrell Bay, Carriacou

Nach dem Frühstück gehen wir alle nochmal schnorcheln. In der Nähe der schroffen Felsen sehen wir bunte Fische und auch einige Korallen. Beim Anlanden am einsamen Strand riss uns die Brandung von den Flossen. Am steilen Berghang wuchsen uns Kakteen entgegen. Einen Pfad ins Inselinnere soll es auch irgendwo geben aber wir wollen ja weitersegeln. Vorher stärkten wir uns an Bord mit leckeren Wraps. Kurz nach Eins holten wir den Anker hoch und segelten fast auf Anliegerkurs hinüber nach Carriacou in die Tyrell Bay. Zwischen den Inseln beeindrucken uns die anrollenden Wellenberge vom Atlantik. Einer davon verpasste mir eine unfreiwillige Salzwasserdusche am Steuer. Mit 5-6 Knoten Fahrt erreichten wir schon nach zwei Stunden den Eingang zur Bucht. Dort erwischte uns ein kräftiger, tropischer Regenschauer mit Böen und eingeschränkter Sicht. Die Bucht ist sehr gut gefüllt. Wir entscheiden uns für eine Mooring. Schräg vor uns ankert die „Aber auch gut“ der bekannten Youtuber vom Kanal „Blue Horizon“. Unser Platz ist herrlich ruhig. Ich hoffe auf die erste, entspannte Nachtruhe. Erstmal stärken wir uns mit Broten und den restlichen Zutaten von den Wraps. Natürlich gibt es dazu ein wohlverdientes, eiskaltes Ankunftsbierchen. Nach einem weiteren Schauer fahren wir rüber auf die Emma, die etwas weiter draußen geankert hat. Lilli und Luna bleiben lieber auf der Nala. Wir verbringen einen gemütlichen Pokerabend, den ich sogar als Gewinner verlasse.

10.02.2023 // Tyrell Bay, Carriacou

Endlich liegt eine ruhige Nacht hinter uns. Ich konnte durchschlafen und fühle mich wieder fit. Zum Wachwerden schwimme ich ums Boot und Jeannette zaubert zum Frühstück für jeden ein tolles Omlette auf den Teller. Gut gestärkt fahren Christoph und ich zum Boatyard rüber, um die Mooring zu bezahlen. Am Dingi-Dock kaufe ich einem alten Rasta ein paar seiner Limetten ab. Zurück an Bord starten wir alle eine Exkursion in die Mangroven. Die Dingi-Tour führt uns in die sogenannten Hurrikan Holes, wo man sein Boot in der windreichen Hurrikan-Saison angeblich sicher vertäuen kann. Dort finden wir allerding einige Wracks, die dem Verfall preisgegeben wurden. Scheinbar klappt es nicht immer oder die Liegeplätze werden zur Entsorgung nicht mehr benötigter Schiffe genutzt. Nicht schön. Wir entern eine löchrige Stahlyacht und werfen einen Blick in das wüste Stillleben unter Deck. Weiter hinten in der Bucht lassen wir uns treiben und beobachten zwei dicke Kugelfische und einen Pelikan bei der Jagd. Am Ausgang der Bucht halten wir noch an einem Strand, der nur aus toten Korallenskeletten besteht. Der Klimawandel lässt grüßen.

Vom westlichen Boatyard aus laufen wir etwa 20 Minuten unter der sengenden Sonne rüber zum Paradise Beach. Der Weg zum Paradies führt aber erstmal an teils ärmlichen Bretterhütten vorbei. Natürlich lassen wir es uns nicht nehmen, in der Paradise Beachbar einzukehren. Ein deutsch sprechender Pole empfängt uns zunächst auf Englisch. Er hat seinen Lebensmittelpunkt eine Weile an seinen Lieblingsstrand verlegt. Mit Blick auf türkises Wasser und Sandy Island genießen wir einen großartigen Pina Colada, der wie Slushi-Eis daherkommt. Nach einem superleckeren Essen mit frittiertem Fisch und Kochbananen lassen wir uns am Strand nieder. Wir baden ausgiebig und versuchen uns am Bodysurfen in der Brandung. Werden dabei auf den Sand gewaschen und haben unseren Spaß. Mit Christoph wandere ich noch den ganzen Strand nach Norden hoch bis hinter die Spitze. Schließlich treten wir den Rückweg an und werden unterwegs noch von einem kleinen Regenguss überrascht. Zurück an Bord ist der Hunger zurück und der Tag geht zu Ende. Wir stärken uns mit Wraps und ich spiele oben im Cockpit Gitarre, während die Kinder sich bei einem Gesellschaftsspiel annähern.

11.02.2023 // Tyrell Bay, Carriacou >> Clifton, Union Island

Der nächste Tag startet bedeckt und besonders windig. Wir wollen weitersegeln nach Union Island, das zum Staat „St. Vincent und die Grenadinen“ gehört. Um dort einreisen zu dürfen, müssen wir zunächst ausklarieren – also den Staat Grenada verlassen. Das ist mit einem Papierkram und natürlich auch mit Gebühren verbunden. Etliche Segler warten bereits vor dem Customs-Büro. Die behördlichen Mühlen mahlen in der Karibik langsamer und so ist es fast 12 Uhr als alle Stempel in den Pässen trocknen. Wir legen ab, setzen Segel und als wir um die Ecke biegen, beginnt der Ritt. Hoch am Wind macht die Nala einen guten Job und lässt sich von den Fallböen nicht sonderlich beeindrucken. Sandy Island zieht vorbei und ich steuere wieder von Hand. Zwischen den Inseln kommt wieder ordentlich Seegang hinzu. Unser Kurs spuckt uns leider nicht direkt in Clifton aus. Wir landen am Südwestzipfel von Union Island und müssen noch etwa 5 Seemeilen gegenan motoren. Das gelingt nur mit 3-4 Knoten Fahrt bei beachtlichen Wellenbergen. Als wir Clifton erreichen, lassen wir uns von einem Boatboy beim Anlegen an der Mooring helfen. Beim Anlegebier blicken wir rüber nach Happy Island – der Cocktailbar-Insel auf dem Riff. Erstmal stärken wir uns mit selbstgemachten Burgern. Um 18 Uhr fahren wir mit dem Dingi rüber nach Happy Island auf einen Cocktail. Es bläst immer noch kräftig und auf den vorderen Dingiplätzen gibt es eine nasse-Po-Garantie. Nur eine weitere Crew ist heute an der Bar. Das habe ich von meinem letzten Besuch anders in Erinnerung. Scheinbar steppt hier doch nicht jeden Abend der Bär. Wir genießen trotzdem Painkiller, Rumpunsch und Pina Colada. Zurück an Bord starten wir eine lange Pokerrunde zu Acht. Am Ende macht unsere Familie einen guten Schnitt. Ich werde Dritter, Lilli wird zweite und Luna holt den Titel mit Beratung von Jeannette.

12.02.2023 // Clifton, Union Island

Nach dem Aufwachen schnorchle ich rüber zum Riff zwischen den Fahrrinnen. Das ist leider recht grau und tot. Nur einige kleine Fische sind zu sehen. Das Zurückschwimmen gegen den starken Wind wird zum Frühsport. Zum Frühstück braten wir draußen auf der Induktionsplatte Pancakes. Mit unseren beiden Skippern fahre ich anschließend zum Einklarieren. Am digitalen Terminal müssen erstmal die Daten aller Mitsegler eingegeben werden. Zum Beamten muss man allerdings trotzdem noch rein. Nach überstandener Prozedur sprechen uns auf dem Rückweg die Fischer an und präsentieren einen Mahi Mahi. Mit einem Fischer im Piraten-Look und großem Filetiermesser in der Hand verhandelt man nicht. Also vergolde ich dem Kerl mit rund 80 Euro seinen Arbeitstag und bringe zwei ordentliche Filets mit an Bord zurück. Nicht ohne auf dem Rückweg im Dingi gegen Wind und Welle noch ordentlich geduscht worden zu sein.

Etwas später fahren wir mit dem Rest der Crews wieder rüber zum Dingi-Dock. Durch einen kleinen Tunnel erreichen wir das kleine Dingi-Hafenbecken. Auf dem Weg in den Ort lernen wir „Herman the German“ kennen, der uns nicht mehr von der Seite weicht. Er versucht mit deutschen Floskeln zu glänzen…“wunderbar“…“schatzi“. Als er mitbekommt, dass wir Müll loswerden wollen, reißt er uns die Säcke aus der Hand und feuert sie in großem Bogen durchs Fenster in einen Bretterschuppen. Tatsächlich steht oben drüber was von Müll-Sammelstelle oder so. Auf dem Marktplatz vermittelt er uns noch an seine angebliche Verwandte, wo wir ein paar Früchte, Tomaten und Gurken einkaufen. Günstig ist das nicht. Angeblich natürlich ein super Deal.

Die Anderen wollen 3 Kilometer zum nächsten Ort Ashton wandern. Uns fehlt in der Mittagshitze die Motivation. Wir laufen durch den Ort, sehen mittendrin die Müllkippe und kehren lieber um. In einem kleinen Supermarkt erstehen wir zwei Weißbrote und Luna ergänzt ihre Fanta-Sorten-Sammlung. Weiter schlendern wir bis zum Kitestrand, wo wir uns auf einem Lounge-Bettchen mit Blick auf die Lagune niederlassen. Die Kinder genießen das Wlan der Kitestation und wir einen Cocktail.

Nach zwei Stunden kommen die Anderen von der Wanderung zurück und wir suchen uns am Strand um die Ecke einen einsamen Grillplatz. Einige holen mit den Dingis alles zum Grillen von den Schiffen und wir bauen im Sand einen provisorischen Grill mit Conch-Muscheln und dem Ofenrost vom Bordbackofen. Es gibt dann den Mahi Mahi sowie Gemüse, Burger-Patties und was wir sonst noch so gefunden haben. Ein tolles Grillerlebnis mit Blick auf den Sonnenuntergang und die Kiter. Einige herrenlose Hunde leisten uns Gesellschaft, bleiben aber zurückhaltend. Später an Bord lassen wir den Abend beim Pokern ausklingen.

13.02.2023 // Clifton, Union Island >> Tobago Cays

Am nächsten Morgen schnorchle ich zum Wachwerden eine Runde und bereite zum Frühstück anschließend einen großen Obstsalat vor. Dafür verarbeite ich auch die Soursoup Frucht, die auch Stachelannone genannt wird. Das Zerlegen ist eine matschige Pulerei – unzählige Kerne müssen rausoperiert werden. Geschmacklich passen die tintenfischartigen Stücke dann aber süß-säuerlich wunderbar in den Salat. Dazu toasten wir unser Weißbrot und Müsli ist ja auch noch da.

Gut gestärkt bereiten wir uns zum Auslaufen vor. Mit Großsegel im zweiten Reff und Maschine bringen wir bei aufgewühlter See die 5 Seemeilen zu den Tobago Keys hinter uns. Zwischen den Riffgebieten hindurch steuern wir das unbewohnte Inselchen Baradal an, wo ich schon 2020 mit dem Katamaran Moana lag. Wir erwischen eine schöne Mooring gleich am Schildkrötengebiet. Schnell sind die Schnorchelsachen zur Hand, um einen Blick unter die Wasseroberfläche zu werfen. Wow – tatsächlich sehen wir gleich die ersten Schildkröten. Lange bleiben wir im Wasser. Ich filme fleißig und beobachte die erhabenen Urzeitwesen beim abweiden der Seegraswiesen. Auch die Kinder sind aus dem Häuschen und können sich gar nicht sattsehen.

Das Anlegebier muss etwas warten. Wir stärken uns dann gleich mit Broten und Chinanudeln, bevor die Beiboote klar gemacht werden. Durch das türkise Wasser tuckern wir die kurze Strecke rüber auf den Strand von Baradal. Paradiesisch liegt die sandige Landzunge im türkisen Blau. Der Blick schweift über die zahlreichen Ankerlieger zum schützenden Außenriff und hinüber zu den anderen Inseln.

Wir kraxeln dann etwas auf dem Inselchen herum zwischen riesigen Kakteen und tollen Ausblicken. Auf dem Weg lassen sich Einsiedlerkrebse sehen und auch verschiedene Vögel. Eine große Echse klettert einen Baum hinauf und wir entdecken sogar eine Landschildkröte im dornigen Gebüsch. Zurück am Strand zeigt die karibische Lichtorgel nochmal schönstes Fotolicht mit dunklen Wolken, türkisem Blau, grünem Dünengras und das Ganze garniert mit einem Regenbogen.

Beim Boatboy „Captain Mike“ haben wir für den Abend das Barbecue am Strand der Hauptinsel bestellt – zumindest für Manuela, Christoph, Jeannette und mich. Für 30 Euro pro Person soll es Fisch und Beilagen geben. Lobster war uns mit 50 Euro pro Person zu teuer. Die Emma-Crew ist an Bord versorgt und die Kinder rotten sich auf der Nala zusammen für einen ungestörten Abend ohne Erwachsene. Wir tuckern mit dem Dingi rüber zur Hauptinsel. Am Strand erwartet uns schon reges Treiben. Die Boatboys konnten auch andere Crews akquirieren. Die Picknickbänke sind mit schätzungsweise 100 Leuten gefüllt und daneben wird gegrillt was das Zeug hält. Die Tische sind gemütlich eingedeckt und nachdem wir uns Captain Mike geschnappt haben, bekommen wir unseren Platz. Er bedient uns den ganzen Abend und wir können genüsslich in gegrilltem Fisch, Hähnchen sowie Kartoffeln, Gemüse, Reis und Kochbananen schwelgen. Zum Nachtisch gibt´s Banana-Bread. Getränke haben wir selbst dabei, so wie die meisten Gäste. Einige sind mit großen Kühltaschen angerückt. Die Fahrt zurück im Dunkeln wird nass gegen Wind und Welle. Etwas durchnässt erreichen wir die Nala und die Kids haben sich in der Zwischenzeit gut unterhalten. Lassen den Abend dann beim Pokern ausklingen und fallen zufrieden in die Kojen.

14.02.2023 // Tobago Cays

Am nächsten Morgen schnorchle ich hinüber zur felsigen Ecke von Baradal und filme ein paar Fische. Auch eine Schildkröte zeigt sich am Riff. Zurück an Bord verarbeite ich das restliche Obst zu Salat und wir frühstücken mit paradiesischem Ausblick. Anschließend bereiten wir noch Brote zum Mitnehmen vor, denn wir wollen einen Ausflug auf die Hauptinsel machen. Mit den Beibooten landen wir an einem Palmenstrand an und klettern auf den Inselberg. Von dort oben überblickt man das Ankerfeld bis zum Außenriff mit vielen Blau- und Türkistönen. Auf der anderen Inselseite steigen wir steil wieder ab und landen am Barbecue-Strand. Vor Anker liegt das segelnde Kreuzfahrtschiff Royal Clipper und hat einen Haufen Gäste am Strand abgeladen. Das ist uns schnell zu viel Trubel und wir laufen lieber zurück an den anderen Strand zum Baden und Chillen. An einer Palme hängt eine Schaukel und wir beobachten zwei Echsen, die furchtlos näherkommen. Eine sonnt sich direkt am Strand. Wir essen unsere Brote und schmieden Pläne für den Abend. Hier am Strand steht nämlich eine Picknickbank und ein verlassener Grill. Scheinbar wurde hier von den Boatboys schon mal privates Barbecue angeboten. Wir wollen gegen Abend wieder kommen, falls der Platz durch das Fernglas noch frei erscheint. Gegen 14 Uhr fahren wir erstmal zurück zu den Booten.

Wir packen unsere Schnorchelsachen zusammen. Melanie und Markus sogar ihr Tauchequipment. Der Plan ist, am Außenriff zu schnorcheln oder in der Passage durch das Riff. Mit den Beibooten motoren wir über glasklares, türkises Wasser bis zu einer roten Boje, wo wir die Boote festmachen können. Dann geht es ins Wasser und in Richtung Riffpassage. Wir tauchen ein in eine bunte Unterwasserwelt, die hier noch vergleichsweise intakt erscheint. Es geht vorbei an farbenfrohen Fächerkorallen und verschiedensten Fischen. Christoph entdeckt sogar einen Tintenfisch und eine große Garnele. In Richtung Pass nimmt die Gegenströmung zu, so dass wir irgendwann wieder umdrehen. Ich liefere die erschöpfte Luna im Dingi ab und helfe Jeannette beim reinkommen. Ist nämlich nicht stehtief an den Booten und somit gar nicht so leicht nach der Schnorcheltour. Dann darf ich nochmal bei Markus mit an den zweiten Lungenautomaten seiner Tauchflasche und mit Blei in der Hand probieren, mal etwas länger unten zu bleiben. Ist schon was anderes, wenn man mehr Zeit gewinnt ohne auftauchen zu müssen. Auf dem Rückweg springen wir nochmal bei den Schildkröten rein. Davon bekommen wir nicht genug. Ich tauche mit ihnen hinunter auf drei Meter Tiefe oder begleite sie beim Auftauchen und Luft holen. Allerdings halten die Meeresbewohner um ein Vielfaches länger die Luft an. Zum Abschluss begegne ich sogar noch einem großen Rochen. Als der auf einmal auf mich zu schwimmt, drehe ich lieber ab.

Zurück an Bord bereiten wir alles für unseren Grillabend am Strand vor. Ein Blick durchs Fernglas zeigt, dass der Platz frei und der Strand komplett leer ist. Wir fahren alle hinüber und genießen eine perfekte, karibische Abendstimmung. Der Grill duftet, die dort gefundenen Kohlereste reichen aus und die Bluetooth-Box liefert die passende Reggae-Musik. Wir stoßen mit selbstgemixtem Pina Colada an und die Kids bauen zwischen zwei Palmen die Slackline auf. Wir genießen Nudelsalat, Hähnchen und Bratwürste. Den ganzen Strand haben wir nur für uns während auf der anderen Inselseite die ganzen Kreuzfahrer gerade massenhaft mit Lobster begrillt werden. Wir sind froh, hier zu sein und ich hole meine mitgebrachte Gitarre raus. Im Dunkeln krabbeln uns Einsiedlerkrebse um die Füße während ich ein paar Lieder zum Besten gebe. Es ist herrlich warm, der Wind hält scheinbar die Mücken fern und über uns funkeln die Sterne. Herrlich. Zurück an Bord beschließen wir den Abend mit einem Gläschen Rosé und fallen glückselig in die Kojen.

15.02.2023 // Tobago Cays >> Chatham Bay, Union Island

Am nächsten Tag müssen wir unseren Bug wieder nach Süden richten. Nach dem Aufstehen schwimme ich ein letztes Mal rüber zu den Schildkröten. Auch Luna und Jeannette folgen mir etwas später und verabschieden sich noch einmal ausgiebig von den Schildies. Zum Frühstück braten wir uns draußen Rührei, Spiegelei und Bacon. Gut gestärkt wollen die Erwachsenen noch einen Schnorchelausflug an der Hauptinsel Petite Bateau machen. Das Beiboot legen wir an unserem Ziel auf den Strand und wandern dann zu unserem Startpunkt an unserem Privatbarbecue-Strand. Um die felsige Inselecke können wir dann mit der Strömung zurück zum Beiboot schnorcheln. Sehen doch noch einige farbenfrohe Korallen, die sich hoffentlich an die Erwärmung des Meeres anpassen können.

Zurück an Bord haben Lilli und Luna tatsächlich schon den Abwasch erledigt und wir können das Boot zum Auslaufen vorbereiten. Die Spibäume werden gesetzt und mit ausgebaumten Vorsegeln rauschen wir vor dem Wind mit 8 Knoten Fahrt hinüber nach Union Island, wo wir wieder ausklarieren müssen. Schon nach einer Stunde erreichen wir die Chatham Bay und benötigen drei Ankerversuche, bis das Eisen hält. Wir stärken uns mit Bratkartoffeln, Hähnchen und dem restlichen Nudelsalat, bevor wir ins Wasser hüpfen. Am großen Spibaum schwingen wir wie Tarzan an der Liane hinaus und müssen rechtzeitig loslassen, um im Wasser und nicht an der Bordwand zu enden. Abends genießen wir den Sonnenuntergang und spielen wieder eine Runde Poker.

16.02.2023 // Chatham Bay, Union Island

Als ich am nächsten Morgen als erster ins Cockpit komme, ist die tschechische Benetau neben uns verdammt nah dran. Die hatten gestern viel zu dicht geankert, was sich nun bewahrheitet. Ich wecke unseren Skipper und schon macht es „klong“. Der Bug oder deren Ankerkette hat unseren Heckanker an der Badeplattform touchiert. Auf einmal sind alle wach und draußen aufgeregt am sondieren der Lage. Der Tscheche verspricht, nach dem Frühstück abzuhauen. Die Ruhe hätte ich nicht. Zum Glück bleibt es bei der einen Berührung und wir sind froh, als drüben der Anker aufgeholt wird. Ich springe in meine Meeresdusche und dann gibt es Frühstück.

Anschließend rüsten Manuela, Christoph, Markus und ich uns für die Wanderung auf die andere Inselseite nach Clifton, wo wir ausklarieren müssen. Das ist der Preis dafür, dass wir uns diese Ankerbucht ausgesucht haben. Wir nehmen es sportlich und lernen schließlich die Insel noch ein wenig kennen auf dem Weg. Theo bringt uns an Land und los geht es. Der weiße Hund von der Strandbar begleitet uns den steilen Hang hinauf. Luna und Jeannette haben sich für einen Tag am Strand entschieden. Die Sonne knallt und oben sind wir das erste Mal nassgeschwitzt. Dafür werden wir mit einem herrlichen Blick über die Bucht belohnt.

Oben treffen wir auf eine Straße und wandern um die Nordseite der Insel etwa eine Stunde bis nach Clifton. Unser Begleithund „White Pearl“ hält tapfer mit und bekommt etwas Wasser von uns spendiert. Er will wohl auch mal in die Stadt. Unterwegs gibt’s ein paar nette Ausblicke. Freilaufende Ziegen und Kühe kreuzen unseren Weg und kurz vor Clifton passieren wir einen Salzpond mit Schautafel für Vogelkundler.

Am Ortseingang von Clifton wir unser Hund dann leider von anderen freilaufenden Dorfkötern aus dem Ort gejagt. Ob er wohl zurück zu seiner Beachbar findet? Vorbei an einer großen Solaranlage und dann einer stinkenden Mülldeponie mitten im Ort erreichen wir das Büro der Beamten. Dort ist gut Andrang. Manuela und ich beschließen, die Wartezeit lieber in der Bar am Dingi Dock zu verbringen. Dort gibt’s Schatten, Wlan und lecker Pina Colada. Nach etwa einer Stunde sind auch unsere beiden Skipper wieder zurück und gönnen sich ein kühles Getränk.

Anschließend wollen wir noch im kleinen Supermarkt vorbeischauen. Auf dem Weg treffen wir natürlich unseren „Freund“ Herman the German, der sofort anfängt seine ausgewählten Deutschkenntnisse zum Besten zu geben. Wir schütteln ihn ab und kaufen Rum, Cola, Brot sowie beim Markt Früchte und Gemüse an zwei verschiedenen Ständen. Die Rucksäcke sind nun reichlich schwer. Daher stärken wir uns noch mit Kokoswasser und dem Fruchtfleisch. Nehmen davon auch etwas als Wegzehrung mit.

Zurück wandern wir über den Ort Ashton, um auch die andere Inselseite zu sehen. Die liegt in der prallen Sonne und so wird es schnell ein Durchhaltemarsch. Besonders das letzte Drittel ging nur noch berauf, teils sogar recht steil. Schließlich sind wir am höchsten Punkt und freuen uns schon auf den Strand und das Meer. Zunächst haben wir jedoch Schwierigkeiten den Pfad zu finden, der uns auf dem kürzesten Weg dort runter führen soll. Schließlich ist die Suche doch noch erfolgreich und wir können absteigen zum Strand. Ich rufe mit dem Funkgerät Theo, damit er uns abholen kann. Vorher springen wir jedoch noch einmal ins Wasser. Herrlich!

Zurück an Bord stärken wir uns mit Nudeln und Pilzen. Dann schwimme ich rüber zur Felsenküste, um dort zu schnorcheln. Die Strecke entpuppt sich weiter als gedacht. Dort gibt es dann aber jede Menge Fische zu sehen – auch ganze Schwärme blauer, kleiner Fischchen, die in der Sonne glitzerten. Der Rückweg zwischen den Ankerliegern hindurch bis zur Nala war dann sogar noch weiter. Ausgepowert erreiche ich das Schiff. Zur Stärkung mache ich einen Papaya-Bananen-Shake. Ein paar von uns machen die Schnorcheltour erst, als die Dämmerung einsetzt mit Taschenlampe. War wohl auch ganz nett. Später essen wir dann Tomaten- und Gurkenbrote. Dann wird wieder gepokert und ich setze mich diesmal als Gewinner durch, Luna wird Zweite.

17.02.2023 // Chatham Bay, Union Island >> Sandy Island, Carriacou

Die Nacht war böig und etwas schaukelig. Recht früh erfrische ich mich im Meer. Dann bereite ich einen Obstsalat zu und es gibt ansonsten Müsli sowie Toast aus 100 Prozent Sonnenenergie. Generell ist es beeindruckend und genugtuend, dass wir komplett ohne Landstrom auskommen und nur die Sonne unseren übersichtlichen Luxus speist, wie Kühlschrank, Induktionsherd, Toaster, Wassermacher und vieles mehr. So fühlt sich Autarkie wohl ungefähr an. Natürlich nur, wenn alles funktioniert und im Bedarfsfall auch repariert werden kann.

Kurz nach 10 Uhr gehen wir Anker auf und rollen die Genua aus. Vor dem Wind reicht das schon für 6 bis 7 Knoten Fahrt. Schnell fliegen wir hinüber nach Sandy Island. Die Angel hat nicht viel Zeit im Wasser und wird schon nach einer Stunde ohne Fang wieder eingeholt. Vor der Klischee-Karibikinsel erwischen wir die letzte Mooring in der ersten Reihe und sind schnell schnorchelbereit. Mit unserer wasserdichten Bojentasche schwimmen wir hinüber zum Strand und machen eine kleine Fotosafari um die Insel, die man in 10 Minuten umrunden kann. Ein idyllischer Karibiktraum mit poolähnlichen Lagunen und jeder Menge Strand und Palmen verzaubert uns. In der Sonne ist es verdammt heiß auf der Leeseite am Strand. Natürlich haben wir kein Wasser dabei. Schnell gönne ich mir noch einen Baywatch-Moment mit Strandprint und meiner grellorangen Boje in der Hand. Dann haben wir Durst und auch der Hunger meldet sich.

Zurück an Bord zaubert uns Jeannette lecker Reis mit Hähnchengeschnetzelten. Unsere Skipper Markus und Christoph werden vom Tender-Boot des Paradise Beachclub mit hinüber genommen und wandern von dort aus zum Einklarieren in die Tyrell Bay. Auf dem Rückweg nach vollendeter Mission gönnen sich die beiden noch einen Cocktail in der Paradise Beachbar und werden dann gegen Abend wieder bei uns abgesetzt. Wir wollen um Mitternacht ablegen und durch die Nacht nach Grenada segeln, um dort dann noch einen Abschlusstag zu haben. Ich versuche etwas vorzuschlafen aber so richtig wird es nichts. Nebenan liegt ein Katamaran mit jungen Leuten, die von der Bar zurückkommen und an Bord weiterfeiern.

18.02.2023 // Sandy Island, Carriacou >> Prickly Bay, Grenada

Pünktlich um Mitternacht verlassen wir unsere Mooring und ich steuere die Nala aus dem Ankerfeld und in tieferes Wasser. Die Augen gewöhnen sich an die Dunkelheit. Hinter uns folgt die Emma. An der Inselecke rollen wir die Genua aus und für mich beginnt die erste Wache bis 2 Uhr. Mit einem tollen Sternenhimmel über uns und warmen, achterlichen Wind von 20 Knoten jagen wir mit 6 bis 7 Knoten Fahrt über die anrollenden Atlantikwellen durch die Nacht. Die Emma schafft es nicht, dran zu bleiben und fällt zurück. Ab kurz nach 2 Uhr übernimmt dann Christoph und verlangsamt unsere Fahrt. Die Genua wird etwas eingerollt. Ich döse auf der Cockpitbank, der Rest schläft in den Kojen. Durch die langsamere Fahrt rollen wir nun stärker und die Lichter von Grenada kommen nur langsam näher. Dafür schließt die Emma wieder etwas auf. Lilli und Theo saßen angeleint auf dem Kajütdach und schauten in die Sterne. Gegen 4 Uhr morgens übernehme ich dann wieder. Hinter der Inselabdeckung von Grenada nimmt der Wind stark ab und auch ausgerefft machen wir nur noch 3 bis 4 Knoten Fahrt. Die Wellen schieben zum Glück etwas mit und die Sonne geht langsam über den Bergen von Grenada auf. Gegen 7 Uhr löst mich dann Theo ab und ich versuche bei nun recht ruhiger See noch etwas Schlaf zu bekommen. Christoph und Jeannette setzen sich auch mit in die Morgensonne. Langsam zieht die Küste vorbei. Tatsächlich bin ich eingeschlafen und erwache als der Motor angeht. Die letzten 3 Seemeilen in die Ankerbucht müssen wir gegenan motoren.

Um 10 Uhr erreichen wir dann eine freie Mooring in der Prickly Bay und sind wieder am Ausgangspunkt unseres Törns angekommen. Die Emma kommt eine Stunde später an und ankert ein Stückchen hinter uns. Erstmal brauchen wir einen starken Kaffee und ein zünftiges Frühstück mit Rührei, Spiegelei, Bacon und Kochbananen.

Gegen Mittag muss dann erstmal eine große Fuhre Müllsäcke an Land befördert werden. Anschließend sitzen wir auf einen Drink in der Bar am Dingi-Dock. Dann laufen wir zur Hauptstraße und nehmen einen Minibus zum Grande Anse Beach. Bevor es an den Strand geht, kaufen wir im Supermarkt gegenüber noch ein paar leckere karibische Soßen als Souvenirs ein. Am Strand ist gut was los. Zahlreiche Studenten der örtlichen Uni tummeln sich dort und ein Verkäufer fragt ob wir durstig sind. Wir haben selbst Getränke aber es sollte wohl das Codewort für Gras sein, was ich drüben bei den Studenten beobachten kann. Die kaufen eher was zu rauchen.

Kurz nach 3 Uhr stellen wir uns beim Beachrestaurant Umbrella´s in die Schlange und erhalten nach kurzer Wartezeit einen Tisch in der Sonne, den keiner haben wollte. Schnell merken wir warum, denn wir werden ganz schön gegrillt, bevor die Sonne irgendwann tiefer steht. Melanie und Markus kommen auch noch nach und so sitzen wir komplett für ein Abschiedsessen zusammen und kühlen uns mit Cocktails herunter. Painkiller war gerade im Aktionsangebot für rund 3,30 Euro. Ich esse dann noch Thunfischsteak mit Grillgemüse und Süßkartoffelpommes. Jeannette und die Kinder nehmen den Chickenburger.

Um 19 Uhr fahren wir dann gemeinsam zurück zur Budget Marina und trinken dort am Dingi Dock als Absacker noch Rumpunsch und Cuba Libre. Es gibt sogar Eiscreme. Später an Bord spülen wir mit Wasser nach und fallen schon 22 Uhr in unsere Kojen. Lilli und Theo sitzen noch lange an Deck. Letzter Abend halt. Die Nacht wird wieder recht rollig. Die bekannte Dünung schaukelt uns durch aber das stört uns nun in der letzten Nacht auch nicht mehr sonderlich.

19.02.2023 // Prickly Bay, Grenada >> nach Hause

So – der Abreisetag ist da. Alle sind wehmütig. Zum Frühstück gibt es Toast und kleine Bananen. Dann packen wir unsere Reisetaschen zusammen und suchen uns lange Kleidung raus. Ein letztes Mal springen wir ins 30 Grad warme, karibische Meer und beobachten sogar noch Schildkröten neben dem Boot. Die wollen wohl auch Tschüss sagen.

Mit dem Beiboot voll Gepäck fahren Christoph, Theo und Lilli gegen Mittag schon mal rüber in die One-Love-Bar am Dingi Dock. Wir folgen mit der Emma-Crew um 13 Uhr für ein allerletztes Abschiedsessen. Luna hatte sich schon lange den Buffalo Chicken Burger gewünscht, den auch wir uns schmecken lassen. Ein letzter Rumpunsch muss es bei mir natürlich auch noch sein. Gegen 15 Uhr holt uns ein Taxi ab. Theo und Christoph begleiten uns noch zum Flughafen. Am Airport ist es richtig voll. Da steht für Einige die Rückreise an. Beim Abschied fließen dann ein paar Tränen. Schön war es und intensiv. Wir fliegen mit unzähligen unvergesslichen Eindrücken im Gepäck nach Hause und wären gern noch länger geblieben. Ein riesengroßes Dankeschön geht an die Nala-Crew, die uns so herzlich und selbstverständlich in ihren Alltag integriert hat. Auch die Emma-Crew verdient ein großes Dankeschön für die Unterstützung bei der Crew-Aufteilung und den logistischen Herausforderungen. Ich freue mich, dass alles so toll und reibungslos geklappt hat.

An der Passkontrolle müssen wir dann nochmal eine Stunde anstehen und unser Flieger hat auch noch Verspätung. Heben eine Stunde zu spät ab und landen dann 30 Minuten später beim Zwischenstopp und Crewwechsel auf Tobago. Alle müssen den Flieger verlassen und inklusive Pass- und Sicherheitskontrolle nochmal in den Transitbereich. Um 20 Uhr sind wir wieder in der Luft und bekommen Abendessen. Ich gucke den Film „Die Frau des Zeitreisenden“ und versuche anschließend auf meinem Sitz etwas Schlaf zu finden. Mehr als Dösen klappt nicht wirklich. Kurz nach 10 Uhr morgens deutscher Zeit landen wir in Frankfurt. An der Kofferausgabe dann der Schock – das Gepäckband spuckt keinerlei Koffer aus unserem Flieger aus. Es stellt sich heraus, dass keinerlei Koffer aus Grenada mitgekommen sind. Toll. Mit Verlustformular suchen wir geknickt die S-Bahn zum Hauptbahnhof, wo wir dann immerhin um 12:51 Uhreinen durchgehenden ICE erwischen. Im Zug gebe ich dann online die Verlustanzeigen auf. Es sollte noch drei Wochen dauern und einige Nachfragen und Nerven kosten, bis der letzte Koffer per Post bei uns zuhause ankam.

Abends haben wir dann noch unser Hündchen bei Ihrer Pflegemutter abgeholt und etwas unwirklich unser Haus wieder bezogen. Doppelbett statt Salonkoje und nasskaltes Regenwetter statt karibisches Flair. Morgen wartet der harte Cut – Büro und Schulbeginn für die Kinder. Mögen die Erlebnisse uns noch lange durch den Alltag tragen. Und nach dem Törn ist ja auch wieder vor dem Törn.

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