Kleine Auszeit vor Anker

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Der Wetterbericht zaubert ein Lächeln in unsere Gesichter. Kurze Hose und T-Shirt dürften reichen.

Bevor es zum Boot geht, legen wir in Wismar beim Hafenfest noch einen Zwischenstopp ein. Dort hat die „Eye oft he Wind“ festgemacht. Mit diesem mehr als 100 Jahre alten Segelschiff war ich 2015 auf dem Atlantik eine Woche lang von Cadiz nach Lanzarote gesegelt. Jetzt konnte ich beim Open-Ship meiner Familie zumindest das Oberdeck zeigen. Runter in die Kabinen durften wir leider nicht. Die Crew wirkte gelangweilt und unmotiviert. Da hatte ich damals scheinbar mehr Glück. Wir essen noch am Fischimbiss und dann zeigen wir dem lauten Gedudel Breakdancer und Autoscooter die Rücklichter.

Nach einem Einkaufsstopp beim Kaufland ist dann auch der Proviant für unseren Ankerausflug im Kofferraum. Wir lassen den Abend an Bord bei chilliger Musik ausklingen. Natürlich erst nachdem wir alles verstaut hatten. Den Samstag beginnen wir mit einem sonnigen und ausgedehnten Frühstück. Erst gegen Mittag lösen wir die Leinen. Draußen in der Bucht bläst es sogar böig mit 4 Windstärken. Das nutzen wir, um zumindest die Genua mal auszupacken und segeln quer rüber bis vor den Strand in Wohlenberg. Lilli macht sich gut als Steuerfrau.

Nach ein paar Wenden nehmen wir dann aber Kurs auf unseren Ankerplatz vor der Steilküste. Der Anker scheint zu halten und da der Wind noch ordentlich pustet, lasse ich den Windgenerator laufen, damit der Kühlschrank nicht unsere Batterien leer lutscht. Erstmal gibt es dann ein verspätetes Mittagessen – Nudeln mit Tomatensoße. Dann bekommen wir Lust auf Baden. Rund um unser Boot ist alles voller Quallen. Da springen wir erstmal nicht von Bord. Also mache ich das Beiboot klar und mit unserem flüsterleisen Elektromotor fahre ich mit Lola und den Kindern rüber zum Strand. Dort ist es schön flach, quallenfrei und das Wasser ist nicht ganz so kalt. Wir baden in der Ostsee an – inklusive Lola.

Zurück an Bord genießen wir den Ausblick von Bord. Das Boot schwenkt am Anker hin und her und bietet uns immer wieder neue Perspektiven. Der Himmel ist mittlerweile komplett blau und in der Abendsonne bereite ich den Grill vor. Wir schwelgen in Burgern und kühlem Rosé. Für einen Abendspaziergang mit Lola fahre ich anschließend nochmal rüber zum Strand.

Später holten wir dann das Siedler-Spiel hervor und feilschten um Lehm und Holz. Lilli konnte die Partie schließlich für sich entscheiden. Nebenbei durften wir einen tollen Sonnenuntergang genießen. Selbst kurz nach 23 Uhr war es immer noch nicht richtig dunkel. Das ist schon toll am Juni. Trotzdem setzt die Bettschwere ein. Der Wind ist komplett eingeschlafen und es wird eine ruhige Nacht.

Morgens beginne ich den Sonntag mit einem kurzen Bad an der Badeleiter. Die Sonne brennt schon ganz ordentlich vom Himmel. Die Morgenstimmung vor Anker ist herrlich. Da schmeckt das Frühstück einfach noch besser. Anschließend packen wir unsere Badesachen zusammen und fahren zum Strand. Nach ein paar Stunden bruzzeln und plantschen bewölkt es sich. Wir kehren an Bord zurück und stärken uns mit den restlichen Burgern.

Langsam wird es Zeit, den Anker aufzuholen und zurück in den Hafen zu tuckern. Kaum sind wir unterwegs, erwischt uns ein kräftiger Regenschauer. Durchnässt legen wir an und müssen erstmal alles trocknen lassen. Da fällt es nicht mehr ganz so schwer, die Sachen zusammen zu packen, um nach Hause zu fahren. Gegen Abend sitzen wir im Auto, die Haut spannt von der Sonne und wir fühlen uns herrlich erholt. Ja, das Urlaubsfeeling haben wir schon mal angetestet. Der Sommertörn kann kommen. Noch sind es aber einige Wochen…

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