Puh, da bahnte sich ganz schön was an auf der Wetterkarte. Wind und Wellen in reichlichen Mengen stellten den diesjährigen Herrentagstörn vor ungeahnte Herausforderungen. Als sich Martin, Christian und ich am Mittwochabend an Bord trafen, wurde das mulmige Gefühl im Magen aber erstmal runtergespült. Wir hatten ja schließlich auch unser Kitezeug mit dabei und so könnte es ja vielleicht ein Kitewochenende in Wohlenberg werden.


Am Herrentag pfiff es wie angekündigt in der Takelage und wir begannen den Tag lieber mit einem ausgedehnten Frühstück geschützt unter der Kuchenbude. Die Sonne schien und irgendwie keimte doch noch die Lust auf, Segel zu setzen und uns nach Fehmarn rüberzuschlagen. Schließlich wartete dort das Surffestival auf uns mit Party und Surf-Vibes. Das Kitezeug kann man ja mitnehmen. Also verlassen wir kurz vor Zwölf doch noch den Hafen, reffen das Großsegel soweit es geht und setzen vorn nur das kleine Staysail. Vorsorglich haben wir auch jeder eine Tablette gegen Seekrankheit eingeworfen.




Kaum aus der Wohlenberger Wiek raus, begann dann die wilde Fahrt bei 6-7 Windstärken zunächst auf Halbwindkurs. Immer höhere Wellen von teils über 2 Meter rollten uns von der Seite kräftig durch. Immer wieder trafen uns auch Sturmböen und überzeugten uns, die richtige Besegelung gewählt zu haben. Mit 5,5 – 6,5 Knoten kamen wir gut voran. Waren auch das einzige Boot da draußen mit Kurs Fehmarn. Regelmäßig zerschellten Wellenberge auch am Rumpf und sorgten für einen kalten, salzigen Platzregen im Cockpit.
Immerhin halfen die Tabletten offenbar und wir konnten langsam schon die Fehmarnsundbrücke sehen und die drei Hochhäuser am Südstrand. Am Fehmarnsund frischte es aber nochmal weiter auf und hackte aus allen Rohren. Mussten nun auf Amwindkurs nochmehr gegenhalten, erreichten aber gut die Einfahrt zum Binnensee. Da hatten etliche Surfer und Kiter ihren Spaß. Wir waren stolz und glücklich, es ohne Schäden geschafft zu haben. Nach fünfeinhalb Stunden machten wir in Burgtiefe fest und gönnten uns das wohlverdiente Anlegebier. Unter der Kuchenbude saßen wir windgeschützt und konnten auch noch lecker grillen.




Die Tage bis Samstagnacht blies es aus allen Rohren weiter und der Wind kreischte durch die Riggs. Wir genossen die Partystimmung beim Surffestival, machten einen Ausflug nach Burg in die Surfshops und konnten dann am Samstagnachmittag doch noch unsere Kites auspacken. Freunde von Christian sind Dauercamper in Strukkamp und waren so nett uns mit unserem ganzen Zeug rüber zu fahren zum Surfspot. War ganz schön voll auf dem Wasser und mit unseren 10 Quadratmeter Kites waren wir etwas überpowert unterwegs. Die anderen unzähligen Kiter hatten 7er, 8er oder 9er Schirme am Start. Es war schön, mal wieder unterm Schirm zu hängen und nach einer Stunde wurden die Arme lang und die Oberschenkel weich bei der Brandung.




Sonntag hatten sich dann Wind und Wellen beruhigt und wir konnten die Rückreise antreten. Kurz vor Zehn ging es raus in den Sund. Zunächst konnten wir noch 6 Seemeilen gemütlich segeln, dann erwischte uns die angekündigte Flaute als anderes Extrem. Dafür sahen wir eine Menge Schweinswale und starteten auch noch einen Dorschangelversuch – mit Erfolg. Wir hatten aber Mitleid mit dem Kleinen und ließen ihn weiterziehen. Auf dem glatten Wasser konnten wir nun immer wieder Schweinswale beobachten, während uns der Motor unserem Heimathafen entgegen schob. Sogar zwei Seehunde schwammen vorbei. Die Sonne schien und es hätte schlechter sein können. Da konnten wir sogar gemütlich Brotzeit machen ganz ohne Wellen.




Gegen halb Fünf erreichten wir dann die Weiße Wiek und stießen nochmal auf den gelungenen, abwechslungsreichen Törn an. Beim nächsten Mal darf es aber gern ein Tick weniger Wind und Welle sein da draußen.
