Mit kräftigem Wind ins Winterlager

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Der Herbst ist da und damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit für kräftigen Westwind, der graue Schauerwolken vor sich her treibt. Zeit, ins Winterlager zu verholen.

Am Freitag kachelt es noch richtig auf der Ostsee, als Jeannette mich nach Feierabend zum Hafen bringt. Der liegt sehr geschützt und wirkt fast windstill. In diesem Jahr nehme ich den Überführungstörn allein in Angriff, denn mein langjähriger Mitsegler Christoph hat soviel Blut geleckt beim Segeln, dass er mit seiner Familie im Juli zur Weltumseglung aufgebrochen ist. Dann teste ich halt mal meine Einhandfähigkeiten. Erstmal stärke ich mich mit Pizza und Bier und schaue an Bord einen Film.

Samstag früh krieche ich noch vor dem hell werden aus der warmen Koje. Ich möchte rechtzeitig ablegen. Immerhin könnten etwa 9 Stunden auf See vor mir liegen und dunkel wird es jetzt auch schon früher. Nach der letzten heißen Dusche für dieses Wochenende und einem kurzen Frühstück verlasse ich gegen halb Neun die Marina Weiße Wiek.

Die Wiek liegt windgeschützt und zunächst motore ich bei wenig Wind in Richtung Poel. Stetig nimmt der Wind zu und da ich auf die Wettervorhersage vertraue, setze ich das Großsegel im ersten Reff. Genua ausgerollt und ab dafür. Bei 15 Knoten achterlichem Wind reicht es schon für 5-6 Knoten und es brist weiter auf. Der Seegang nimmt auf mehr als 1 Meter zu. Zügig geht es an Rerik vorbei. Sogar die Sonne lässt sich blicken. Aus der Musikbox kommt Beachhouse und Reggae. Da kommen fast sommerliche Gefühle hoch bis in die Wollmütze.

Schließlich bläst es mit 20 bis 25 Knoten und bis zu 2 Meter Wellen rollen uns ordentlich durch. Auf Höhe Kühlungsborn muss ich dann weiter abfallen und direkt vor Wind und Wellen gehen, um Kurs auf Warnemünde zu halten. Das Vorsegel habe ich weg gerollt. Nur mit gerefftem Groß reicht das trotzdem für 5-6 Knoten Fahrt. Das schafft dann auch der Autopilot und ich kann etwas chillen und was essen.

Die Meilen werden gefressen und schon wird der Leuchtturm von Warnemünde größer. Bereits kurz nach halb Drei liegt die Hafeneinfahrt vor mir. Hinter den Molenköpfen wird es ruhiger und ich berge das Segel. Vorbei an der Aida Diva motore ich dann nur noch die Warnow hinauf bis zu SAB-Marina Bramow. Kurz vor vier Uhr liege ich dort längsseits am Schwimmsteg. Kaffeezeit. Das hat doch gut geklappt bis hierhin, auch einhand. Stolz öffne ich noch ein Anlegebierchen. Dann wird erstmal ausgespannt. Abends gibt es wieder Pizza. Am nächsten Tag steht dann Segel abschlagen und Wassersystem entleeren auf dem Plan, bevor es Montag aus dem Wasser geht.

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