Es ist vollbracht. Die Segelsaison 2020 ist für mich doch noch gestartet. Naja zumindest die Bootssaison. Auf dem Meer draußen herrschte nämlich bleierne Flaute gestern. Aber der Reihe nach.
Am Freitag fuhr ich mit meinem Freund Christoph mit der Bahn zum Winterlager nach Rostock. Vermummt mit Mundschutz erreichten wir kurz nach Acht das Schiff. Auf dem Weg kauften wir noch Lebensmittel und Flüssignahrung für die Überführung ein und schleppten alles an Bord. Um halb Elf schwebte die Puffin dann unter dem Kran in die Warnow.
Alles klappte planmäßig. Nur den Liegeplatz für die Nacht wollte man uns zunächst verwehren, da angeblich kein Platz war. Darum motorten wir bis zum Stadthafen, wo wir nach dem Anlegen ebenfalls abgewiesen wurden. Angeblich noch wegen der Corona-Verbote. Also fuhren wir zurück und ein Telefonat später bekamen wir beim Winterlager doch noch einen Platz an der Kaimauer. Dort war es schön geschützt und perfekt, um die Segel anzubauen.
Gegen Abend saßen wir zufrieden beim Feierabendbierchen in der warmen Maisonne mit herrlichem Blick auf die Warnow. Nach der ersten Nacht an Bord und einer erfrischenden Dusche stärkten wir uns mit Kaffee und Toast für den Törn nach Boltenhagen. Ein milder Morgen und die Aussicht auf sonniges Segeln motivierten uns. Zunächst war es jedoch bedeckt und draußen vor Warnemünde erwartete uns neben glattem Wasser auch etwas Regen und sehr kühle Luft. Unzählige Angelboote spickten unseren Kurs entlang der Küste. Der Autopilot entlastete uns.
Auf Höhe Kühlungsborn kam doch noch die Sonne raus und Schicht für Schicht schälten wir uns aus unserer Zwiebelpelle aus Fleece. Nur der Wind ließ weiter auf sich warten. Erst kurz vor dem Ziel kam langsam eine Brise aus Nordost auf. Einige Segel tauchten nun um uns herum auf. Für uns lohnte es nicht mehr. Um 15:30 liefen wir in der Weißen Wiek ein. Erstmal ein kühles Anlegebierchen. Vom Land her empfingen uns bekannte Bässe von Technohymnen der Neunziger. Mit viel Aufwand hatten sich auf dem Nachbarsteg DJs eine Bühne aufgebaut und ließen sich filmen. Es gab auch einen Livestream auf Facebook. Mit den fetten Bässen im Rücken ging der Bootsputz leichter von der Hand. Da im Zuge der Corona-Lockerungen gestern die Restaurants wieder öffnen durften, belohnten wir uns mit einem Fischgericht. Mit Blick über den Hafen genossen wir Scholle und Matjeshering. Anschließend lauschten wir noch dem DJ-Set mit Lichtershow und Nebelmaschine bis kurz nach Zehn dann die letzten Zugaben verhallten. Noch ein Absacker und dann rief auch die Koje.

Den Sonntag haben wir nach gemütlichem Frühstück dann noch mit einigen Arbeiten verbracht. Beiboot aus dem Winterschlaf wecken, Brennstoffzelle anschließen und Trinkwassersystem in Betrieb nehmen. Anschließend ging es für mich noch hoch hinaus. Christoph winschte mich den Mast hoch. Das Rigg musste mal überprüft werden und eine Undichtigkeit auf der Mastspitze gefunden und repariert werden. Ganz schön klein sah das Boot unter mir dabei aus.
Zum Mittag stärkten wir uns mit frischen Fischbrötchen. Mittlerweile war Jeannette mit Luna und unserem Hund angekommen, um uns abzuholen. Vorher gingen wir noch zum Strand und Christoph und ich badeten spontan an bei 14 Grad Wassertemperatur. Ging ganz gut aber nicht lange. Nach Eisessen und Käffchen an Bord machten wir uns auf den Weg nach Hause. Zwar ohne gesegelt zu sein, aber dennoch mit dem ersten Törn im Logbuch.

















